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"Der zweifelhafte Charme von Amalfi"    ROMAN

PB 21 x 14,8 - 4 Kapitel - 180 Seiten - Preis 12,20 €  (inkl. MwSt.) Herstellung und Vertrieb: Books on Demand GmbH Norderstedt 

Klappentext: Im Mittelpunkt des Geschehens stehen zwei von Herkunft und Charakter unterschiedliche Männer, ein weißer Stoffteddybär ohne Arme und Beine, sowie der Versuch, zu erklären, was nicht erklärbar ist. Thomas Gerber vermittelt vordergründig den Eindruck, er verkörpere den klassischen Vertreter seiner Generation. Fabio Rispoli hingegen - jung und attraktiv - nimmt das Leben, wie es kommt, lebt von Geld und Zuneigung seiner Männerbekanntschaften. Ein traumatisches Kindheitserlebnis hat ihn mehr geprägt, als er zugeben will.
Die zufällige Begegnung im Regionalzug Darmstadt-Frankfurt verändert die Situation. Thomas legt ab, was er über Jahre hinausgeschickt verbergen konnte. Willigt ein, kann sein Verlangen nicht länger verdrängen. Für Fabio heißt es zupacken!

Inhalt:
Die Geschichte überforderter Eltern, die Tragödie eines jungen Mannes oder wird vordergründig nur das aktuelle Thema des Kindesmissbrauchs bedient? Ein Roman für Leserinnen und Leser die an gesellschaftskritischer Literatur vor homosexuellem Hintergrund interessiert sind. Der Zeitrahmen spannt sich in einem weiten Bogen von den 30er Jahren über die Darmstädter Bombennacht vom September 1944 bis in unser Jahrhundert. Orte des Geschehens sind Darmstadt, Frankfurt am Main, München und Amalfi.

Im ersten Kapitel begegnen wir dem alternden Thomas Gerber, der mit seiner Frau in der zauberhaften Landschaft des Allgäus ein ruhiges Rentnerleben genießt. Bei einem Spaziergang wird er von seiner Vergangenheit eingeholt. Die Gedanken schweifen zurück. Thomas hat seine Eltern im Krieg verloren und ist bei den Großeltern aufgewachsen. Behütet und umsorgt durchlebt er Kindheit und Jugend in der Beschaulichkeit Darmstadts. Die bürgerlich, konservativ geprägten Wertevorstellungen der damaligen Zeit geben ihm nur scheinbaren Halt. Mit dem Umzug nach München beginnt seine eigentliche Tragik. Die Stadt bietet neue Perspektiven. Er befreundet sich mit dem homosexuellen Arzt Dr. Römer, geht in seiner Arbeit auf, macht Karriere. Im Herbst 1986, nach einer faden Familienfeier, kann er dem inneren Drang nicht länger widerstehen. Er begegnet Fabio Rispoli und erliegt dem Reiz des jungen Mannes. Nach einer gemeinsam verbrachten Nacht lädt er ihn zu sich nach München ein.

Rückblickend erfährt der Leser im zweiten und dritten Kapitel von einer Reise und ihren Folgen: Juliane Scholz und Hanna Götz, zwei angehende Lehrerinnen, verbringen im Sommer 1955 den Urlaub an der Amalfiküste. Juliane verliebt sich dort in den Fischer Luigi Rispoli. Der junge Italiener verspricht nach Deutschland zu kommen und löst sein Versprechen ein. Sie heiraten, bekommen zwei Kinder: Isabella und Fabio. Auch Hanna Götz heiratet ihren Verehrer Ernst Köhler. Die Freundschaft der Ehepaare wird durch Köhlers verborgene Neigung für Männer empfindlich belastet. Er will mehr von dem attraktiven Südländer, als der ihm zu geben bereit ist. Der kleine Fabio hat Angst vor fremden Menschen. Auch der Eintritt in die Schule ändert daran nichts, er findet keine Freunde. Die Kinder lehnen ihn ab, können aber nicht erklären warum. Er ist aufsässig, provoziert Lehrer und Mitschüler, prügelt sich mit den Klassenkameraden, die ihn des Schwulseins bezichtigen. Fabio fühlt sich zu Köhler hingezogen, der das Vertrauen des Jungen schamlos ausnutzt und ihn missbraucht. Als Hanna Köhler mit dem verbrecherischen Tun ihres Mannes konfrontiert wird, sticht sie ihn nieder. Fabio wendet sich nun offen dem eigenen Geschlecht zu. Er bricht seine Lehre ab, versucht sich als Edel-Stricher in der Frankfurter Szene zu etablieren.

Das letzte Kapitel schließt den Kreis: Fabio kommt nach München. Zunächst läuft alles gut, da Thomas die Augen verschließt. Fabio ist tablettensüchtig und entwendet Geld aus der Haushaltskasse. Es kommt zum Streit und die Beziehung endet abrupt: Fabio hat den Lebenspartner auf übelste Weise hintergangen und Dr. Römer einen Rezeptblock gestohlen. Thomas trennt sich von Fabio, verliert seine Arbeit und Römer, der wegen der ständigen Rivalität mit Fabio um Thomas’ Zuneigung nach Afrika geht. Drei Monate später erfährt Thomas von Fabios Mutter, dass ihr Sohn an einer Überdosis Ecstasy gestorben ist. Die Begegnung mit Laura Sommer erweist sich als Glücksfall für Gerber. 

 
Leseprobe aus dem 3. Kapitel:

Als Kurtchens Lehrzeit zu Ende ging, traf man sich zu einem Abschieds-essen im Nobelrestaurant da Angelo. Kurt verschlang gierig eine Maxi-Pizza mit Thunfisch und Zwiebeln, Fabio stocherte lustlos in seiner Linguine Frutti di Mare herum, einer Spezialität, die er in Italien kennen und lieben gelernt hatte, die aber hier lange nicht so gut wie bei Großmutter Ornella schmeckte. Kurt schob den leeren Teller zur Seite lächelte spitzbübisch und murmelte: »Hätte etwas mehr sein können.« Dann klopfte er dem Tischnachbarn auf die Schulter. »So mein Alter«, begann er zögerlich, »nun heißt es Abschied nehmen, aber vorher möchte ich dir noch etwas sagen. Du darfst mir aber nicht böse sein.«
»Red nur, in dieser Hinsicht bist du nie besonders zimperlich gewesen.«
»Na gut ..., wo soll ich anfangen? Vielleicht zuerst bei mir. Du hältst mich wahrscheinlich für einen tumben Metzgerprolli, etwas zu dick, frisst zu viel und kann sich nicht benehmen.«
»Das habe ich so nie ...«
»Lass gut sein, Fabio, es ist nicht weiter schlimm. Schau, wenn ich nicht der einzige Sohn wäre und zu Hause den Betrieb übernehmen müsste, hätte ich nach dem Abitur studiert.«
»Ich wusste gar nicht, dass du Abi ...«
»Du schnallst so vieles nicht, das ist dein Problem. Aber dazu später. Ich wollte Chirurg werden. Na ja, jetzt bin ich eben Metzger, soweit ist das auch nicht auseinander«, grinste er verschmitzt.
»Was meinst du mit: Ich schnalle nicht alles?«
»Das liegt doch auf der Hand, du hast einen schönen Beruf und könntest es weit bringen. Ob du schwul bist oder nicht, ist deine Sache, das geht keinen etwas an.«
»Was willst du von mir, ich sehe es genauso.«
»Ich bin doch nicht blöd. Ich habe längst bemerkt, dass du dich nebenher an Männer verkaufst. Mein Gott ekelt dich das nicht an? So ein gut aussehender junger Mann hat das doch nicht nötig! Such dir einen Freund, der zu dir passt.«
»Wegen einem mit allen verderben? Es macht mir Spaß, wenn ich die Typen so richtig heißmachen kann. Da geht mir meist auch einer ab, und ich bekomme noch Geld dafür. Wer wird schon für seinen Orgasmus bezahlt, meistens muss man doch Kohle dafür hinlegen.«
»An dem Tag, an dem du mit dem amputierten Stoffding da angerückt bist«, sagte Kurtchen und deutete auf Felix, »da habe ich gedacht: Was haben wir denn da für einen Spinner? Anscheinend bist du nicht nur ein Spinner, du bist auch noch hochgradig dumm und pervers.«
Fabio schluckte und warf einen zornigen Blick auf den Zimmerkollegen. »Was geht dich das an?«
»Ich mache mir Sorgen.«
»Musst du nicht, Kurtchen«, lächelte Fabio souverän. »Ich drücke meinen Hintern ja nicht am Hauptbahnhof an die Wand. Ich will an die großen Fische, an die mit Geld und Einfluss.«
»Machst du dir da nicht etwas vor? Ein homosexueller Stricher gilt als der allerletzte Dreck. Egal wo, ob am Hauptbahnhof oder im Luxusbett, er ist nur ein schlecht bezahlter Schauspieler. Er wird meist durch persönliche Umstände gezwungen, diese unmenschliche Rolle anzunehmen und muss seinen Körper dafür einbringen. Seine Freier erwarten von ihm, dass er sich nicht nur glaubhaft darstellt, sondern ihnen auch noch vorgaukelt, was sie für tolle Hechte sind. Daran findest du Gefallen? Das nehme ich dir nicht ab, erzähl mir nichts, bei dir steckt etwas anderes dahinter.«
»Deine Sorgen möchte ich haben, Kurtchen.«
»Nun mal nicht so schnippisch, Schnuckelchen. Die Frage ist doch, wie kann ein junger Kerl wie du, mit Partnern Sex praktizieren, die er optisch, charakterlich oder aus anderen Gründen abstoßend findet? Wie schafft er diesen Spagat? Ich will es dir sagen: Zunächst nehmen Psyche und Körper eine Art Abwehrhaltung ein. Genau genommen weigert sich unser Unterbewusstsein, mit einer Person intime Kontakte einzugehen, die wir nicht anziehend finden. Die Vorstellung, sich von einem Freier ficken zu lassen oder ihm gar einen zu blasen, löst mehr oder weniger stark ausgeprägte Blockaden und Ekelgefühle in uns aus. Darunter leidet häufig die Lust und man bekommt keinen hoch. Nur, und hier liegt der Unterschied zu normalen Männern, der Stricher hat aus der Not heraus gelernt, seine Gefühle zu beherrschen, sich wegen des Geldes zu verbiegen.«
»Woher willst du denn das alles wissen? Man könnte fast meinen du würdest gleichfalls ...«, bemerkte Fabio belustigt.
»Ich ...? Nun mach mal halblang, Schnuckelchen! Das würde noch fehlen.«
»Entschuldige, Kurtchen, aber sag nicht dauernd ›Schnuckelchen‹ zu mir ..., ich mag das nicht, die Leute könnten sonst was denken.«
»Es wäre dir also unangenehm, wenn einer von den vornehmen Affen hier denken würde, wir hätten etwas miteinander. Der grobschlächtige Metzger und das zarte Dekorateurs Bübchen würden zusammen in die Kiste hüpfen. Solange du so denkst, ist noch nichts verloren, dann besteht die Hoffnung, dass du nicht ganz abdriftest.«
»Sei nicht gleich beleidigt, ich hab’s nicht so gemeint.«